Fachwissen

Der Boden mit dem gewissen Etwas

SONDERANFERTIGUNGEN. Jeder Parkettboden ist ein Unikat und als solches im engeren Sinne des Wortes bereits eine Sonderanfertigung. Doch manchmal führen kleine Besonderheiten dazu, dass das Parkett in spezieller Erinnerung bleibt.

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Das vierblättrige Kleeblatt wird seit jeher als Glücksbringer gesehen. Insofern ist es bestimmt ein gutes Omen, wenn der Parkettboden an ein einziges grosses Feld mit solchen Kleeblättern erinnert. Der Fall ist dies in einem Eigenheim im bernischen Köniz. Hergestellt wurde dieses besondere
Parkett von der Schmid Parkett AG in Alpnach Dorf OW. «Für uns war das ein sehr spannender Auftrag», sagt Susann Schmid (Bild), die Geschäftsinhaberin. Die Bauherrin sei mit dem Bild des Parketts eines italienischen Herstellers als Vorgabe in ihren Betrieb gekommen.

Aufwendige Produktion

Die Produktion der Platten habe sie technisch vor keine allzu grossen Probleme gestellt, sagt Schmid. «Wir haben über die Jahre hinweg bereits Parkette in den verschiedensten Variationen hergestellt und dabei eine grosse Flexibilität entwickelt.» Hingegen sei die Produktion sehr aufwendig
gewesen. «Wir mussten jede Parketttafel in zwei Schritten fertigen und verleimen», erklärt Schmid. Im ersten Schritt wurden die Platten, bestehend aus einer Eichen-Deckschicht, der Trägerplatte und einer OSB-Platte als Gegenzug, verleimt. Danach wurde die Ellipsenform bei jeder Platte mit der CNC-Maschine herausgefräst und das Pendant aus Furnier mit quer zur Platte
verlaufender Holzrichtung gefertigt. Da diese im 90°-Winkel zueinander stehende Faserrichtung das gewünschte Bürsten der Oberfläche bei fertiggestellter Platte verunmöglichte, musste dieser Arbeitsgang
ausgeführt werden, bevor der zweite der erwähnten Schritte gemacht und die ausgefräste Furnierellipse eingeleimt werden konnte. Zum Abschluss wurde diese mit einer Fase umrandet, um die gewünschte, optische Absetzung von Platte und eingelegter Ellipsenform noch zu verstärken. Diese
recht aufwendige Fertigung brachte einen angenehmen Nebeneffekt mit sich: «Dank der unterschiedlichen Faserrichtung heben sich die Kräfte beim Schwinden und Quellen des Holzes auf, und die Platten bleiben plan», erklärt Schmid. Sie sei fasziniert gewesen von der Wirkung, welche sich mit
dem Zusammenfügen der einzelnen Platten ergeben habe. «Sobald man vier Platten aneinandergelegt hatte, wurden aus Ellipsen plötzlich diese schönen Kleeblätter – ein toller Effekt.»

Entscheide auf der richtigen Grundlage

Die Schmid Parkett AG zählt sechs Mitarbeitende und ist ein reiner Produktionsbetrieb. Susann Schmid hat das Unternehmen 2003 von ihrem Vater übernommen und ist stolz darauf, dass die Fertigung ausschliesslich
im eigenen Betrieb im beschaulichen Alpnach Dorf im Kanton Obwalden
erfolgt. «Beim Grossteil unserer Parkettproduktion setzen wir auf einheimisches Holz», sagt Schmid. Dies sei jedoch nicht immer möglich. Überhaupt seien die Grenzen des Machbaren in der Regel bei der Verfügbarkeit oder den spezifischen Eigenschaften einer Holzart gesetzt, nicht bei der Technik, verrät sie. «Dass technisch fast alles machbar
ist, bedeutet für mich aber nicht, dass man auch alles machen sollte», sagt sie. So komme für sie beispielsweise kein Parkettboden aus Räuchereiche infrage. «Erstens dünstet sie eine gewisse Zeit aus, und zweitens könnte ich darauf nicht mit ruhigem Gewissen kleine Kinder spielen lassen», begründet
sie ihre Haltung. Überhaupt sei es wichtig, den Einsatzort des gewünschten Parketts zu kennen, um den Kunden richtig beraten zu können. So erwähnt sie unter anderem das Beispiel, bei welchem ein Kunde in seiner privaten Bibliothek ein Sternparkett wollte und sich nicht bewusst war, wie unruhig dieses den Raum in Kombination mit den farbigen Buchrücken
machen würde. Auch beim Einsatz eines heiklen Parketts an stark beanspruchter Lage weist die Fachfrau den Kunden auf die Konsequenzen hin. «Ich erkläre ihnen dann jeweils einfach, dass eine weisse Jeans ja auch heikler ist als eine blaue», betont sie mit einem Lächeln. Im Gegenzug zeige sie den Kunden auch gerne den astreichen Lärchenboden in ihrem
Ausstellungsraum, der gerade wegen seiner Abnutzungserscheinungen an Charakter gewonnen habe. «Der Kunde soll seinen Entscheid auf der richtigen Grundlage fällen», findet sie. Denn sei er nicht zufrieden, so falle dies im Endeffekt auf sie als Parkettherstellerin zurück, nicht auf den
Architekten.

Der Boden als Teil einer Geschichte

Ein besonderes Parkett durfte auch die HWR AG aus dem bernischen St. Stephan ausführen: «Die Bauherrschaft wollte aus zwei Eschenbäumen, die neben dem alten Haus standen, ein Parkett herstellen lassen», erläutert Marc Beetschen, Mitglied der Geschäftsleitung. «Also nach dem Prinzip: Du
bringst den Baum – wir machen das Parkett.» Tatsächlich sei beim «Projekt Lauenensee» der gesamte Umbau mit eigenem Holz gemacht worden, sagt Beetschen. Passend zum natürlichen Stil des Umbaus, ist der Parkettboden unbehandelt und wird nur mit Schmierseife gereinigt. Dieses Beispiel
zeigt, dass eine Sonderanfertigung von Parkett nicht zwingend mit einem ausgefallenen Dekor verbunden sein muss, sondern ganz einfach auf einer besonderen Geschichte basieren kann. Die HWR AG im Herzen des Simmentals im Berner Oberland beschäftigt rund 60 Mitarbeitende. 1883 als Sägerei gegründet, hat sich mittlerweile die Verpackungsabteilung zum umsatzstärksten Zweig des Holzverarbeitungsbetriebs entwickelt. Neben den
Produktionsbereichen verfügt das Unternehmen auch heute noch über eine eigene Sägerei und eine Hoblerei. Produziert wird auf einer Fläche von 50000 m2. Dadurch ergibt sich für das Unternehmen gerade auch im Parkettbereich ein entscheidender Vorteil: Es ist in der Lage, Parkettriemen bis zu einer Länge von 7 und einer Breite von 1,25 Metern anzubieten.

Vielfältige Kombinationen

Wer erinnert sich nicht an das gute alte Tangram, das chinesische Legespiel, bei welchem einzelne Formen zu einem Quadrat zusammengefügt werden mussten? Das Spiel, welches in der Grundschule als Trainingsmittel  für das geometrische Vorstellungsvermögen eingesetzt wurde und einem oft den letzten Nerv raubte, bevor man endlich die Lösung gefunden hatte? Sieht man die unterschiedlichen Ausführungen von Parketttafeln, fühlt man sich unwillkürlich  an die fast schon vergessenen Tangram-Erlebnisse zurückerinnert. Tatsächlich ist es faszinierend, wie viele Kombinationen innerhalb einer solchen Tafel möglich sind und welchen Effekt ein kleines Filet, ein Schnitt auf Gehrung oder die Zusammensetzung unterschiedlicher
Holzarten haben kann. Dies zeigt auch der Boden aus Gehrfriestafeln, welcher von der Schmid AG im gleichen Eigenheim eingesetzt wurde wie das eingangs erwähnte «Kleeblatt-Parkett».

Parkett mit historischem Charakter

Über einen besonderen Auftrag durfte sich auch die Albert Fäh GmbH in Luzern freuen: Sie erhielt den Auftrag zum Verlegen eines massiven Winkelfriesparketts im Liebenauhaus, einem der bedeutendsten historischen Gebäude von Luzern. Die Wurzeln des städtischen Wohn- und Geschäftshauses reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Entsprechend hoch war bei dessen Renovation und Erweiterung der Qualitätsanspruch. «Für uns war es eine Ehre, in einem solch bedeutsamen Gebäude arbeiten zu können», sagt Firmeninhaber Albert Fäh. Speziell sei die Holzkombination
der Tafeln gewesen, bestehend aus Nussbaum, Buche und Birnbaum. Passend zum altehrwürdigen Gebäude, kamen Massivholztafeln aus Schweizer Holz zum Einsatz. Produziert wurden diese von der Wey Parkett AG in Wolhusen LU. Dafür wurden einzelne Friese aus Massivholz zugeschnitten, zu einer Tafel verleimt und vor der Auslieferung an den Verlegebetrieb rundum genutet und vorgeschliffen. «Die Produktion stellte uns vor keine spezielle Herausforderungen, das ist unser Tagesgeschäft», sagt Geschäftsführer Manfred Hügi. Jedoch habe sich die Optik des Parketts deutlich von anderen Objekten abgehoben – «eine spezielle Holzkombination». Zusammenfassend lässt sich feststellen: Geht es um besondere Böden, so ist Parkett die Königsdisziplin. Ein Holzboden steht
für Wohlbefinden, Wärme, Behaglichkeit und sorgt ganz nebenbei für ein gutes Raumklima. Parkett bietet eine immense Vielfalt in der Gestaltung und – ob mit oder ohne vierblättrige Kleeblätter – das Glück von Einzigartigkeit. MONIKA HURNI

www.schmid-parkett.ch
www.hwr.ch
www.faeh-parkett.ch
www.wey-parkett.ch


PARKETT

Die Lasertechnologie macht fast alles möglich

Das Unternehmen Berti in der norditalienischen Region Padua fertigt individuelle Parkettböden mit Einlegearbeiten in Massivholz. Dazu nutzt der Hersteller seit vielen Jahren die computergesteuerte Technik des Laserschnittes. Bereits Anfang der 1980er-Jahre experimentierte Berti mit der Technik, die auch feinste Intarsienarbeiten zulässt. Heute sind mehrere Laseranlagen in der Produktion im Einsatz, um für exklusive Objekte weltweit
einzigartige Parkettböden liefern zu können. Sind es in vielen Regionen der
Welt eher klassische Motive, die in dem Luxussegment gefragt sind, hat Berti an der letzten Bodenbelagsmesse Domotex 2019 auch eine moderne Linie gezeigt, die sich optisch gänzlich von den bislang üblichen Designs bei
Parkettböden unterscheidet.
www.berti.net