Neuheiten

Interview mit Reto Anderegg

Die Verschiebung der Fachmesse Suisse Floor um ein Jahr - also von 2021 auf 2022 - war ebenso unvermeidbar wie ärgerlich. Das diesjährige Treffen der Bodenbranche wird sehnlich erwartet und hat in der Zwangspause sogar neue Interessenten gewonnen.

«Wir freuen uns riesig!» 

 Die seinerzeitige Verschiebung um ein Jahr – also von 2021 auf 2022 – war ebenso unvermeidbar wie ärgerlich gewesen. Und doch hat sie der Fachmesse Suisse Floor auch genützt. Das diesjährige Treffen der Bodenbranche wird sehnlich erwartet und hat in der Zwangspause sogar neue Interessenten gewonnen. Reto Anderegg, Präsident des Messekomitees, ist optimistisch – für die «Suisse Floor 2022» genauso wie für die Branche. 

 

Herr Anderegg, nun kommt sie also zustande, die Suisse Floor 2022. Was löst das bei Ihnen aus?

Eine enorme Freude! Zunächst Freude über diesen Schritt zurück zur Normalität. Und dann Freude, dass wir unsere Lieferanten, Branchenkollegen und andere Begleiter unseres schönen Berufszweigs wieder physisch treffen können. Ich spüre ein Bedürfnis auf allen Seiten, sich ungezwungen und freundschaftlich zu begegnen. Nicht übers Telefon oder am Schirm, sondern direkt 1 : 1 – von Mensch zu Mensch. 

  

Wie haben Sie als Unternehmer die letzten zwei Jahre erlebt?

Ich habe die direkte Nähe und den persönlichen Austausch mit meinen Lieferanten vermisst. Die Updates zu neuen Produkten, Hilfsstoffen und Geräten flossen eher spärlich, eine gewisse Stagnation war erkennbar. Irgendwie schien der Puls gebremst. – Stabile und langfristige Lieferantenbeziehungen sind sicher wertvoll, gewisse Firmen leben gut damit. Wenn wir wegen Lieferengpässen unsere eigenen Kundenverpflichtungen nicht einhalten können, braucht es aber auch Alternativen. Die Pandemie hat dieses Thema gnadenlos gezeigt. Und so bietet die Suisse Floor neben dem Neuesten bei Material und Technik eben auch ein wertvolles Potenzial für lebendige und vielfältige Marktpartnerschaften.

  

Die Messe macht Branche und Betriebe also geschmeidiger, agiler und flexibler?

Durchaus! Lebendiger und schlagkräftiger – in jeder Beziehung!

 

Der Lockdown und die bundesrätlichen Sperrverordnungen haben zur Verschiebung von 2021 ins 2022 geführt. Hatte das Auswirkungen auf die Messe?

Zunächst mussten wir die Messe 2021 aus bekannten Gründen absagen. Das Komitee hat sich dann für eine Verschiebung um ein Jahr entschieden, weil das Bedürfnis nach einer Messe von allen Seiten lautstark angemeldet wurde. Die Branche hätte ein Auslassen des Termins ohne Ersatz nicht goutiert. Allgemein konnten wir nicht mehr agieren, sondern mussten im Gesamtinteresse bestmöglich reagieren. Zudem konnten wir zwischenzeitlich neue Aussteller gewinnen, die erstmals teilnehmen. Insofern wird die Suisse Floor lebendig, vielfältig und interessant – soviel kann ich versprechen!

 

 Eine Messe in einem nicht prognostizierbaren Umfeld birgt Risiken. 

Absolut! Wir haben versucht, diese so tief als möglich zu halten. Die Hauptrisiken liegen bei der Messe Luzern, die im Vorfeld jeder Messe einen enormen Aufwand hat. Planung, Werbung, Ausstellermobilisierung, Besuchermarketing … es braucht viel, bis eine Messe ihre Tore öffnen kann. Die Aussteller benötigen etwas weniger Vorlauf. Aber auch bei ihnen hätte eine kurzfristige Messeabsage zu Buche geschlagen. Insofern haben wir alle Glück mit der Durchführung. Ich bedanke mich ausdrücklich bei der Messe Luzern für die Bereitschaft, die Suisse Floor auch bei unsicheren Aussichten topseriös vorzubereiten. Belohnen wir doch dieses Engagement mit unserem Besuch!

  

Hat das Komitee auch Alternativen zur Messe diskutiert? Digitale Formate? Hybride Veranstaltungen? Den Zweijahresrhythmus? 

Die Digitalsierung mag in gewissen Bereichen funktionieren und sinnvoll sein. Für unsere Messe sehen wir – Stand heute – das Netz vor allem als flankierende Begleitung. Wir sind eine bodenständige Branche, wo man Kollegialität und Handschlag noch schätzt. Vertrauen lässt sich nicht übers Internet generieren! Dafür brauchen wir die Messe! – Der Zweijahresrhythmus hat sich bewährt, weil viele Lieferanten in den Zwischenjahren ihre Hausmessen machen. Die Formate Suisse Floor und Hausmesse ergänzen sich also, weil die Hausmessen vor allem zur Pflege bestehender Kundenbeziehungen dienen. Die nationale Messe bildet den Gesamtmarkt mit allen Potenzialen für Neues ab: Material und Technik, aber auch Kundenbeziehungen. Mit diesem Wechselrhythmus inspirieren wir unsere Branche optimal – mit und ohne Pandemie.

 

Sie geben das nächste Stichwort: Wie hat sich die Pandemie auf die Branche ausgewirkt?

Vielfältig! Zum einen gab es mehr Aufträge, weil die Leute daheimbleiben mussten. Sie haben ihr Zuhause neu schätzen gelernt und hatten wegen annullierter Ferienreisen auch etwas mehr im Portemonnaie. Andernorts wurden Aufträge zurückgestellt, weil die Lage diffus und die Aussichten unsicher waren. So konnten einige Firmen von der Pandemie profitieren, während andere unter Druck gerieten. Insgesamt aber haben wir uns mit Flexibilität und Kundenorientierung wacker geschlagen und eine erfreuliche Krisenresistenz entwickelt. 

  

Was wird weiter wichtig sein für die Branche?

Damit unser Handwerk auch künftig goldenen Boden hat, braucht es ein umfassendes Engagement in der Aus- und Weiterbildung. Wir müssen genügend Nachwuchs finden und ihn gut ausbilden. Das ist eine Gesamtaufgabe der ganzen Branche – für den Verband genauso wie für jeden einzelnen Betrieb. Unser Verband sichert politisch und organisatorisch die Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Den Betrieben ihrerseits obliegt es, in ihrem Umfeld die geeigneten Jugendlichen zu finden und zu einer Lehre als Bodenleger zu motivieren. Denn nur sie können direkte Kontakte aufbauen – sei es an lokalen Berufsmessen, über die Kundschaft, seien es Schulkontakte oder einfach lokal Mund-zu-Mund. Nachwuchsförderung und Ausbildung sind eine Kollektivaufgabe: Gemeinsam schaffen wir das …

  

… womit wir wieder beim Grundauftrag einer Messe landen: Gemeinsamkeit erzeugen und stärken! Da schwingt auch eine Homogenität mit: Alle miteinander – alle am selben Strick in dieselbe Richtung…?

Nur bedingt! Unsere Betriebe werden sich künftig vermehrt an der Qualität oder an Preis + Menge orientieren. Das spiegelt zunächst den Markt und ist nicht zu bewerten. «Qualität» steht für die anspruchsvolle Kundschaft mit Sonderwünschen aller Art, welche die Qualitätsarbeit fair vergütet. Die andere Richtung ist das Mengengeschäft mit Generalunternehmern etc., wo nur der «Preis» entscheidet. Diese Schere dürfte sich innerhalb unserer Branche weiter öffnen. Wobei ich betone, dass beides seine Berechtigung hat und jeder Betrieb für sich den besten Weg suchen muss. Chancen, Risiken und Nebenwirkungen gibt es in jedem Fall.

 

Bleiben wir bei der Suisse Floor 2022: Vom 22. - 24. Juni 2022 gibt es wohl nur einen «besten Weg» für alle: Den nach Luzern, oder?

Absolut!! Ich freue mich auf viele gute Begegnungen!