Fachwissen

Ins Grüne gesetzt

TERRASSEN. Frei bewitterte Holzdecks im Garten, die über gewachsenem Grund platziert werden, brauchen besondere Aufmerksamkeit beim konstruktiven Holzschutz. Damit die Freude am Freisitz lange währt, sollten auch die Vorarbeiten Beachtung erhalten.

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Nicht erst seit Corona freut sich, wer einen Garten mit einem gemütlichen Platz zum Verweilen hat. Immer öfter entstehen ganze Gartenlandschaften aus Stegen, Wegen und Flächen mit Sitzgelegenheiten, die mit Holz oder Holzwerkstoffen beplankt sind. Für die Planung und Ausführung von solchen
Terrassendecks sind in den letzten Jahren verschiedene Dokumentationen entstanden, die den Stand der Technik definieren. Das ist gut so, wurden doch mit dem Aufkommen des Trends hin zum wohnlichen Freisitz auf dem Balkon und der Terrasse bei den Konstruktionen in Holz auch viele Fehler verbaut. Die Folge: Unzufriedene Kunden und ein schlechtes Image für das
Holz im Aussenbereich. Da inzwischen die Holzdecks auch weit ins
Grüne reichen, ist vor allem der Unterkonstruktion über dem gewachsenen Grund besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wie immer geht es dabei um die Feuchtigkeit oder, besser gesagt, die Vermeidung eines dauerfeuchten Klimas in der Konstruktion. Denn anders als beim wassergebundenen,
festen Grund einer Terrasse oder mit der freien Luftzirkulation bei einem Balkondeck kann sich Feuchtigkeit unter dem frei bewitterten Deck besonders gut und lange halten. Im Unterschied zum meist wettergeschützten Deck direkt am Haus, wo der Niederschlag über ein Gefälle im Untergrund von mindestens 1,5 cm pro Meter rasch abfliessen
kann, ist der Terrassengrund mit Schotterauflage oft dauerfeucht und damit
wenig verträglich für Holz.


Grundlage ist entscheidend

Bei Terrassenkonstruktionen über dem Erdreich wird in der Regel zunächst der obere Mutterboden entfernt und die so entstandene Mulde mit Schotter oder Kies gefüllt. Oft wird empfohlen, darunter ein Wurzelvlies gegen das spätere Einwachsen von Pflanzen zu verlegen. Die handelsüblichen
Unkrautvliese erfüllen diesen Zweck auch zuverlässig, sodass der Benutzer später keinen Ärger mit dem Kraut zwischen den Planken hat. Nahezu alle Vliese sollen luft und wasserdurchlässig sein. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Vliese für Wasser manchmal nur sehr beschränkt durchgängig sind. Im Eigentest der SchreinerZeitung mit einem typischen Vlies zeigte sich, dass auch nach mehreren Tagen das Wasser wie in einer Teichfolie auf dem Wurzelvlies stand und die Unterseite des Materials kaum Tröpfchen aufwies. Der eher theoretischen Wasserdurchlässigkeit steht die reale Feuchtebildung gegenüber. Da solche Vorarbeiten von Landschaftsgärtnern oder Bauunternehmern ausgeführt werden, sollten Schreiner und Holzbauer um diese Problematik eines möglicherweise mangelhaften Untergrundes wissen.


Gefälle und alternative Vliese

Zwei Lösungsansätze für das dauerhafte Holzdeck sind dabei sinnvoll: Zum einen kann im Vorfeld ein Gefälle auch beim Erduntergrund eingeplant werden, das dann keine Vertiefungen aufweist, damit sich später keine Feuchtenester bilden können. Dies lässt sich leicht umsetzen, indem man
den Aushub mit einem feinen Granulat auffüllt und dieses mit entsprechendem Gefälleplan abzieht. Erst danach folgen das Vlies und die Schüttung als Grundlage für die Unterkonstruktion des Decks. Zum anderen gibt es auch Vliese aus Wolle oder Kokosfasern sowie hochwertige Varianten,
die tatsächlich wasserdurchlässig sind. Sie kosten aber um ein Vielfaches mehr als die üblichen Vliese aus Polypropylen, die in der Gesamtschau mit Kosten von unter einem Franken je Quadratmeter kaum ins Gewicht fallen.

Spielwiese mit Hindernissen

Als Auflager für die Unterkonstruktion haben sich einfache Betonplatten bewährt. Diese verteilen die Last der Konstruktion auf den Boden, sind dauerhaft und können auch als Befestigungspunkte, etwa für höhenverstellbare Standfüsse, genutzt werden, um Niveauunterschiede des Untergrundes auszugleichen. Stehen die Auflageträger direkt auf den Sockeln, erweisen sich Gummi-Pads als hilfreiche Zwischenschicht. Bei Aufbauten im bewitterten Aussenbereich über der Erde gilt – genauso wie bei den Decks unter Dach –, dass die Dauerhaftigkeit des Holzes für die Auflageträger mindestens der Widerstandsfähigkeit der Decklage entsprechen muss. Besser ist, für die Auflageträger eine höhere Resistenzklasse zu wählen. Spezielle Kunststoff-Distanzhalter zwischen Deck und Auflageträger verhindern die Bildung von Feuchtenestern. Durch den Aufbau ergibt sich meist eine ansehnliche Distanz zwischen Boden und Terrassendeck, die der Belüftung und damit der raschen Austrocknung der Konstruktion dienlich ist. Verbindliche Vorgaben existieren jedoch nicht. Wichtig ist, dass eine Unterlüftung der Traglatten möglich ist und so die Feuchtigkeit schnell abtrocknen kann. «Der Hohlraum sollte mindestens 15 cm betragen. Genauso wichtig ist dabei der seitliche Lufteinlass», sagt Hansueli Schmid, zuständig für die Technik bei Lignum.

Ringsum geschlossen ist Todsünde

Dies bestätigt auch Thomas Szabo, Projektleiter bei der Balteschwiler AG im aargauischen Laufenburg: «Je grösser der Abstand, desto länger hält das Deck, ganz unabhängig davon, welches Holz eingesetzt worden ist.» Trotzdem sieht man häufig, dass am Rand der Aufbau vollflächig verblendet wird.
Was aus gestalterischen Gründen verständlich ist, führt spätestens nach einigen Jahren zu grossen Problemen, weil die Belüftung so nicht funktionieren kann. Als Mindestabstand des Decks gegenüber Fassaden, Randbegrenzungen und anderen Einfassungen habe man sich auf 20 mm verständigt. Damit erreiche man eine minimale Lüftung in der Unterkonstruktion, sagen die Experten unisono. Der bewitterte Aussenbereich stellt eine extreme Belastung für Holz dar. Wird ein Holzdeck ins Grüne gesetzt, entsteht durch die Aufbauhöhe in der Regel eine Stufe zur
umgebenden Fläche. «Man kann einen Rahmen anschliessen, der optisch die Stufe betont, aber die Konstruktion gleichzeitig offen lässt. Alternativ dazu lässt sich auch ein Lochblech montieren, das die Seiten über die gesamte Aufbauhöhe verschliesst, aber trotzdem eine Durchlüftung gegeben ist», sagt Thomas Szabo. Dennoch wird es oft anders gemacht. Dabei würde ja kaum jemand auf die Idee kommen, bei einer hinterlüfteten Fassade den Randbereich zu verschliessen. Bei einer liegenden und bewitterten
Holzfläche ist es ungleich bedeutsamer, dass die Belüftung funktioniert.


Wenn keine Luft zirkuliert

Gelegentlich wird sogar das Deck flächenbündig mit der umgebenden Grünfläche in den Boden eingelassen, und zwar mit Begrenzungen des Schotterbettes aus Metall oder Holz. «Ist ein Deck flächenbündig im Boden mit dem gewachsenen Grund und mit einer Einfassung versehen, stellt das die Gebrauchsklasse vier dar. Dann darf beispielsweise kein Nadelholz verwendet werden, sondern nur Hölzer der Dauerhaftigkeitsklasse
eins. Das wissen die Akteure meist nicht», erklärt Szabo.
Eine Luftzirkulation findet bei dieser Konstruktion nicht statt. Für Decks im bewitterten Bereich kommen deshalb auch oft Aluminiumprofile für die Unterkonstruktion zum Einsatz. Diese sind hinsichtlich der Dauerhaftigkeit über jeden Zweifel erhaben. «Allerdings müssen zwischen den Auflageträgern auch Aussteifungen montiert werden, damit das unterschiedliche Verhalten von Holz und Aluminium nicht zu Problemen führt», sagt Szabo.


Spezielle Produkte bieten Alternativen

Ein abfallender Geländeverlauf kann für das Deck im Grünen hilfreich sein. Denn wer die Konstruktion eines Terrassendecks hangabwärts offen lässt, sorgt so für ausreichend Luftzufuhr. Für die sichere Verankerung muss dabei nicht zwangsläufig betoniert werden. Schraubfundamente sind hier
eine interessante Alternative. Die Stahlteile der Krinner GmbH in Walperswil BE werden einfach in den Boden gedreht und haben sich auch bei höherer Beanspruchung als Fundamente für ganze Gebäude bewährt. Zur Aufnahme von Tragbalken gibt es diese auch mit einem entsprechenden U- Profil. Darüber hinaus lässt sich mit den Schraubfundamenten die nötige Distanz
zum Boden realisieren. Der deutsche Hersteller Mocopinus hat mit
«Pinutex» das Holzdeck etwas anders gedacht. Dabei sind stehende Vollholzlamellen aus sibirischer Lärche mittels einer Stahlschiene
mit Zinken, welche den Lamellenabstand fixieren, auf eine Breite von
330 mm zu einem Element vormontiert. Durch die stehende Anordnung beträgt der Fugenanteil fast 20 Prozent, was für eine gute Durchlüftung sorgt. Dank der Materialstärke des Decks von 55 mm ist dieses auch ohne seitliche Abschlüsse als Stufe erkennbar. Die Ausbildung der Unterkonstruktion kann man frei wählen. Vertrieben wird das Produkt in der Schweiz von der
Kuratle & Jaecker AG.

Fehler liegen nicht im Holz

Seitens des Fachhandels hört man immer wieder von Reklamationen bei Holzdecks. Das kennt auch Szabo. Jedoch entfielen rund 80 Prozent aller Fälle auf technische Fehler bei der Montage. Manche der vielen Produkte am Markt wie Befestigungen und ungeeignete Terrassenschrauben sind mitverantwortlich hierfür. So ist der Einsatz von hochwertigen Schrauben in Edelstahl der Qualität A4 bei bewitterten Decks für ein dauerhaft makelloses Erscheinungsbild meist sinnvoll. Auch die Beratung der Benutzer und Eigentümer ist ein wichtiger Punkt. «Gerade private Kunden ölen manchmal viel zu stark. Das Pflege-Öl muss vollständig einziehen und darf keine Schicht bilden, sonst kann Feuchtigkeit darunter ziehen, und der Schaden
ist vorprogrammiert», sagt Szabo. Die jährliche, schonende Reinigung sei wichtiger als häufiges Nachölen. So manchem Kunden sei überdies nicht klar, dass Vergrauen ein ganz normaler Vorgang sei. Christian Härtel

www.lignum.ch
www.balteschwiler.ch
www.herzog-elmiger.ch
www.krinner.ch